Healthy Homes: Sind KNX-Smarthomes gesünder?
Ein kabelbasiertes KNX-Smarthome ist mehr als Komfort: Es kann Funkquellen reduzieren und die größten Gesundheitshebel im Alltag automatisieren. Doch ist ein KNX-Smarthome wirklich gesünder? Wir gehen der Sache wissenschaftlich auf den Grund und analysieren, welche Einflüsse Elektrosmog, Human Centric Lighting, CO₂-geführte Lüftung und Schlaf-Temperatur auf die eigene Gesundheit und das Wohlbefinden haben.
Schwerpunkt: Schlaf & Wohlbefinden: Für Neubau & Sanierung
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1) Elektrosmog in Wohnungen: Was bedeutet das eigentlich?
„Elektrosmog“ ist ein umgangssprachlicher Sammelbegriff. In Smart-Homes geht es meist um hochfrequente Funkfelder (WLAN, Bluetooth, Zigbee/Thread, DECT, Mobilfunk) und teilweise um niederfrequente Felder (50 Hz) durch Stromnetze. Funk-Smart-Homes erhöhen oft die Zahl aktiver Sender: Router, Repeater, Bridges, Funk-Sensoren und Mesh-Netze.
KNX (z. B. KNX TP) ist dagegen primär ein kabelgebundenes Bussystem. Sensoren und Aktoren kommunizieren über Leitung – Funk ist optional, nicht zwingend.
2) Studienlage zu WLAN/Bluetooth: Was sagen WHO & EU?
WHO: Forschung läuft – aber keine klare Schadensbasis bei typischen Expositionen
Die WHO bündelt den Forschungsstand zu drahtlosen Technologien und verweist auf laufende Untersuchungen. Die Bewertungen beziehen sich auf die verfügbare Evidenz zu typischen Expositionen im Alltag. Quelle (WHO)
EU-SCHEER: Keine moderaten/starken Belege für Schäden unter Grenzwerten
Der EU-Wissenschaftsausschuss SCHEER berichtet, dass unterhalb der geltenden Grenzwerte keine moderaten oder starken Belege für gesundheitsschädliche Effekte identifiziert wurden. Quelle (SCHEER, PDF)
ICNIRP 2020: Grenzwerte basieren auf anerkannten Schutzmechanismen
Die ICNIRP-Leitlinien definieren international anerkannte Grenzwerte für RF-EMF und beruhen v. a. auf dem etablierten Wirkmechanismus (Erwärmung) sowie Sicherheitsfaktoren. Quelle (ICNIRP, PDF)
Praxisfazit: „Kein überzeugender Nachweis“ heißt nicht „unmöglich“ – aber für typische WLAN/Bluetooth-Expositionen im Haushalt ist die Evidenz für klare Gesundheitsschäden derzeit schwach/inkonsistent.
3) Ist „weniger Funk“ trotzdem ein Gesundheitsargument für KNX?
Ja – korrekt formuliert. Ein kabelbasiertes KNX-System ist kein Medizinprodukt. Es ist präventives, baubiologisches Design: weniger unnötige Dauerfunkquellen, besser planbare Funkzonen und „Funkruhe“-Szenarien – ohne Funktionsverlust.
- Weniger Sender im Haus: Sensorik/Aktorik arbeitet über KNX-Leitung statt Mesh-Funk.
- Planbare Funk-Inseln: WLAN nur dort, wo es gebraucht wird (statt Funk-Teppich).
- Nachtmodus: WLAN/DECT optional reduzieren oder abschalten – KNX läuft weiter stabil.
Tipp für die Planung: Ein „funkarmes“ Haus bedeutet nicht „internetfrei“. Es bedeutet: kritische Gebäudeautomation kabelbasiert, Funk nur gezielt (z. B. Gäste-/Arbeitsbereiche).
4) Die echten Gesundheitshebel: Licht, Luft und Temperatur
Der größte Mehrwert eines KNX-Smarthomes entsteht nicht durch Funkdebatten, sondern durch messbare Wohnfaktoren, die Gesundheit und Schlaf beeinflussen.
4.1 Human Centric Lighting (HCL): besser schlafen durch richtiges Licht
Abendliches, blau-reiches Licht kann die Melatonin-Ausschüttung beeinflussen und den Schlaf-Wach-Rhythmus stören. Quelle (Scientific Reports, PDF)
Moderne Lichtplanung nutzt melanopische Kenngrößen (CIE S 026) zur Bewertung biologischer Lichtwirkung. Quelle (Review)
- Morgens: hell, neutral bis kalt (Aktivierung)
- Tagsüber: tageslichtnahe Dynamik + Blendungs-/Beschattungskopplung
- Abends: warm, gedimmt (Runterfahren)
- Nachts: minimales Orientierungslicht (warm, nur bei Bewegung)
4.2 CO₂ & Lüftung: bessere Luft = bessere Erholung
Studien untersuchen, wie Ventilationsbedingungen und CO₂-Niveaus mit Schlafparametern und Erholung zusammenhängen. Quelle (Building and Environment)
Auch CO₂ und Luftfeuchte werden in Forschungskontexten gemeinsam betrachtet. Quelle (Building and Environment)
- CO₂-Sensorik im Schlafzimmer
- bedarfsgerechte Lüftungsstufen (nachts leise)
- Feuchte-Management (Schimmel-/Atemwegsprävention)
- Fensterkontakt + Heizungsabsenkung beim Stoßlüften
4.3 Temperatursteuerung: Schlaf braucht die richtige Zone
Forschung verbindet höhere Temperaturen mit Schlafverlust und schlechterer Schlafqualität. Quelle (Science Advances, PDF)
- Schlafzimmer: nachts kühler, stabil, ruhig
- Bad: morgens vorgewärmt
- Wohnräume: komfortabel nach Nutzung
- Sommer: Nachtkühlung (Beschattung + Lüftungslogik)
4.4 Beschattung & Tageslicht: Überhitzung vermeiden
Thermischer Komfort und Überhitzung sind relevante Themen – gerade im Sommer und im Schlafzimmer. Quelle (Building & Environment)
KNX steuert Jalousien/Raffstores nach Sonnenstand, Temperatur, Präsenz und Wetter – und schützt so automatisch vor Hitzestress.
5) TurtleOne: Healthy KNX Home statt App-Spielerei
Viele Funk-Smart-Homes wirken modern, sind aber in der Praxis oft abhängig von Cloud-Diensten, instabil in großen Gebäuden und voller unnötiger Funkquellen. KNX ist ein professioneller Standard – langlebig, zuverlässig und skalierbar. Quelle (KNX)
6) Praxis-Checkliste: Funkarm & schlaffreundlich
Funk minimieren (ohne Komfortverlust)
- Wo möglich: LAN statt Mesh-Funk für Backhaul (Switch/Access-Points gezielt)
- WLAN-Access-Points: wenige, geplante Standorte
- Nachtmodus: WLAN/DECT optional reduzieren/abschalten
- Sensorik/Aktorik: KNX TP statt Funk pro Gerät
Schlaf-Szene (Beispiel)
- 90 Minuten vorher: warmes Licht + Dimmung + Beschattung schließen
- Nachts: CO₂-geführte, leise Lüftung + stabile Schlafzimmer-Temperatur
- Orientierungslicht: minimal, warm, nur bei Bewegung
- Morgens: sanfter Licht-Wecker + Pre-Heat + Luftwechsel
7) FAQ
Ist WLAN im Haus gesundheitsschädlich?
Große Fachgremien (WHO, EU-SCHEER) sehen unterhalb geltender Grenzwerte keine starken Belege für klare Gesundheitsschäden bei typischer Nutzung. Dennoch kann Funkminimierung als Vorsorge und für subjektive Ruhe sinnvoll sein. WHO, SCHEERIst KNX komplett ohne Funk möglich?
Ja. KNX TP ist kabelbasiert. Funk (KNX RF) ist optional und kann gezielt eingesetzt oder weggelassen werden.
Welche Faktoren verbessern Schlaf am stärksten?
Licht (circadiane Wirkung), Luftqualität (Ventilation/CO₂ als Indikator) und Temperatur gehören zu den wichtigsten, gut belegten Hebeln. KNX ist ideal, um diese Faktoren automatisch zu optimieren. 8) Quellen
- WHO – Wireless technologies and health: who.int … /wireless
- EU SCHEER – RF-EMF Report (PDF): health.ec.europa.eu … scheer_o_044.pdf
- ICNIRP Guidelines 2020 (PDF): icnirp.org … ICNIRPrfgdl2020.pdf
- KNX Association – Grundlagen / RF (zeigt auch: Funk optional): knx.org … /radio-frequency
- Evening light & circadian effects (Scientific Reports / Nature, PDF): nature.com … s41598-025-29882-7.pdf
- Melanopic/CIE S 026 context (Review, MDPI Sensors): mdpi.com … 23/11/5000
- Ventilation/CO₂ and sleep (Building and Environment): sciencedirect.com … S0360132323011459
- CO₂ & humidity interaction (Building and Environment): sciencedirect.com … S0360132325001106
- Temperature & sleep loss (Science Advances, PDF): science.org … sciadv.1601555
- Thermal comfort/overheating topic (Building & Environment): sciencedirect.com … S1087079224000194